(Vollzeit)²

Es ist schon verrückt wie schnell die Zeit vergeht und was in zwei Monaten alles passieren kann. Als wäre es gestern gewesen erinnere ich mich an unser erstes offizielles Treffen, an die hitzigen Debatten in Gründergruppen, an die Bewerbungsgespräche mit Programmierern und an unsere Blauäugigkeit zurück. Uns war in keinster Weise bewusst, wie viel Arbeit auf uns zukommen würde. Und uns war in keinster Weise bewusst, dass zu unserem Vollzeitstudium noch ein Vollzeitjob hinzukommen würde. Wie viel Arbeit kann eine App schon sein?! Egal ob man eine App, ein Studentencafé (was bereits auf Philipps und meiner “Achievements”-Liste steht), oder eine Holzfabrik gründet: es sind immer die gleichen Muster. Ungeachtet von dem Produkt per sé sind es immer die gleichen Zyklen, Fragestellungen und Arbeitsabläufe. Von den Höhen und Tiefen der Projektarbeit, bis hin zur Konzeption und finanziellen sowie rechtlichen Planung. Zu Beginn scheint alles von selbst zu laufen. Für jeden Schritt hat man eine Antwort (zumeist einen Kontakt) parat. Aber im Endeffekt bleibt die Arbeit an einem selbst hängen.

Der Nachteil: Es bleibt quasi keine Zeit um sich anderen Dingen im Leben zu widmen.Vorteil: Man driftet in eine Spirale von unvergesslichen und wertvollen Erfahrungen. So können wir zum Beispiel stolz sagen, dass wir eine Markenprüfung durchgeführt haben, eine virale Marketingstrategie ausgeheckt haben und die obligatorischen AGB, Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung in Kooperation mit und durch Unterstützung von Experten kompiliert haben. Eine Weitergabe dieser Aufgaben an Kanzleien oder Agenturen hätte unser Budget gesprengt, als hätte es Roberto Carlos’ linker Fuß mit voller Wucht aus 40 Metern an die Latte geknallt. Dies konnten wir zum Glück dadurch parieren, dass uns vor allem an der Hochschule Experten en masse zur Verfügung standen und immer noch stehen. Da wäre zum Beispiel Medienberater, Medienexperte und Author Albrecht Behmel, der eine Idee gerne einmal komplett auseinandernimmt, damit wir sie dann wieder sinnvoll zusammensetzen können. Dann wäre da der Lehrbeauftragte für das Modul Business Environment Michael Gaßner, der uns im Nebel der Gesetzgebung zu etwas Klarheit verholfen hat. Ach ja, und Thomas Zorbach, ein Experte für virales Marketing, der seine Genialität durch exzellente Denkanstöße mal wieder unter Beweis gestellt hat. Nicht zu vergessen ist Mario Herger, ein Start-Up Berater aus dem Silicon Valley, der uns gelehrt hat “groß zu denken”. Alle stellten uns ohne eine Gegenleistung zu verlangen ihre Zeit trotz prallvollem Terminkalender zur Verfügung. Diesen Personen sind natürlich noch alle Freunde, Bekannte und Familienmitglieder hinzuzufügen. Auch an dieser Stelle ein herzliches Dankschön für viele tolle Ideen und für die Unterstützung, in welcher Form sie auch immer gewesen sein mag. Ja. Wie viel Arbeit kann eine App schon sein?! Die Antwort ist also: Sehr viel! Max, Philipp und ich hatten uns jedoch die Arbeit sehr gut aufgeteilt: Ich übernahm alle rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten, Max die PR Arbeit und den Kontakt zu potenziellen Kooperationspartnern und Philipp den Online-Auftritt und das Design. Gleichzeitig war jedoch die Konzeption der Plattform und Funktionen von Anfang bis Ende das Herzstück unserer aller Arbeit. Dank dieser Aufteilung konnten wir den Arbeitsfluss ziemlich effizient am laufen halten. Wir alle hatten unsere Schwierigkeiten. Lange, haarsträubende Tage an denen teilweise kein Land in Sicht war. Aus meiner Perspektive waren da zum Beispiel alle rechtlichen Aspekte, die viel Energie und Hirnschmalz gefordert haben. Das Internet mit seinen “Dotcoms” (also Firmen, die hauptsächlich im Internet tätig sind) ist ein rechtliches Chaos. Da sich das Umfeld von Tag zu Tag ändert, und die Rechtsgebung generell sehr phlegmatisch ist (was nicht all zu negativ zu bewerten ist, denn jedes neue Gesetz muss ja gut durchdacht sein) sind viele Dinge nicht eindeutig geregelt. Da kann es ganz schnell passieren, dass in der ersten Woche bereits 15 Abmahnungen im Briefkasten liegen – wegen einer Kleinigkeit wie zum Beispiel einer falschen Wortwahl, die irgendwo von irgendwem urheberrechtlich geschützt wurde. Dieses Risiko kann man nicht eliminieren, aber man kann es zumindest minimieren. Wie? In dem man sich rechtlich absichert und somit der privaten Haftung aus dem Weg geht. Daher die Gründung einer Unternehmergesellschaft am 8. Mai. Um die vorherig erwähnte Metapher noch einmal abschließend aufzugreifen, können wir nun sagen, dass noch ein weiter Weg bevorsteht, Land aber endlich in Sicht ist.

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